Clemens Scheitz

 


* 02.09.1899
+ 24.10.1980 in München

Als Clemens Scheitz 16 Jahre alt war, verstarb seine Mutter. Sein Vater war Schneider, der jedoch lieber ein Lehrer geworden wäre. Er musste nach dem Ableben seiner Frau für alle vier Kinder alleine sorgen. Die Kinder heirateten früh und waren stets bemüht, ihren Vater zu unterstützen. Clemens Scheitz heiratete mit 25 Jahren und war zu dieser Zeit ein begabter Pianist. Bereits in den frühen 20er Jahren machte er erste Erfahrungen im Filmegschäft. So spielte er im Jahr 1922 nach eigenen Aussagen in "Der Regattafürst" mit, sowie in einem russischen Stummfilm. Seine Leidenschaft war jedoch das Klavierspiel. Da ihm das Geld fehlte, ein Konservatorium zu besuchen, brachte er sich alles selbst bei. Sein erstes Konzert gab es im Alter von 20 Jahren im Münchner Hotel "Vier Jahreszeiten". Seit dieser Zeit lebte er von Konzerten und Klavierstunden. In den späteren Jahren kümmerte sich seine Frau um Auftritte. Eine weitere Leidenschaft von Scheitz war seit seinem 13. Lebensjahr die Physik. Im Jahr 1934 veröffentlichte er das Buch "Raum und Substanz". Außerdem arbeitete er als Erfinder. Im Jahr 1938 meldete er ein Patent für einen Tropfenfänger an. Nachdem seine Frau verstorben war, musste er sich selbst um Engagements kümmern. So war er seit dem Jahr 1973 bei einem Münchner Künstlerdienst gelistet. Eigentlich wollte er Konzerte geben, doch sein Profil landete in einer Kartei für Münchner Kleindarsteller. Rund 50 Engagements soll er für das Fernsehen und fürs Kino gehabt haben. Benedikt Kuby, der Regieassistent von Werner Herzog, entdecke Scheitz in dieser Kartei. Bei der Aufführung von "Nosferatu" bekam Scheitz bei den Berliner Filmfestspielen im Jahr 1979 Szenenapplaus. Aus diesem Film wurden jedoch Szenen mit ihm heraus geschnitten. Aufgrund der Tatsache, dass Herzog keinerlei Filmreste aufhebt, ist davon auszugehen, das diese Szenen nicht mehr existieren. In der Spielzeit 1973/74 war Scheitz erstmals an den Münchner Kammerspielen engagiert. Dort spielte er bis zu seinem Lebensende. Ein Theater-Gastspiel in Moskau lehnte er ab, weil er Angst hatte, nicht wieder aus dem Land heraus gelassen zu werden, da er im Krieg auf ein militärisches Patent hingearbeitet hatte. Scheitz glaubte nicht an die Existenz der Atombombe und an die Mondlandung. Er wohnte die letzten Jahre seines Lebens in München-Haidhausen
und wurde auf dem Münchner Waldfriedhof in einem Armengrab beerdigt.
 
 Filmographie
 
1979 TV-Serie: Polizeiinspektion 1 - Die Abwerbung [1]
1979 Gespräch: Scheitz oder das Rätsel von Feilgau [3]
1978 TV-Theater: Ein Mitsommernachtstraum [1]
1978 Nosferatu - Phantom der Nacht
1977 Die Jugendstreiche des Knaben Karl
1977 TV-Film: Heinrich Heine 1 [1]
1976 Kurzfilm: Idola Fori [3]
1976 Stroszek
1976 Herz aus Glas
1974 Jeder für sich und Gott gegen alle
1922 Der Regattafürst [3]
 Musik
1978 Woyzeck [2]
 Quellen
[1] Eigene Beobachtungen
[2] Audiokommentare von Werner Herzog
[3] Filmjahrbuch 81/82 (Essay von Thomas Honickel)
Die Biogaphie wurde von Sebastian Kuboth verfasst. Die Daten wurden, bis auf die Information, wo Scheitz zuletzt lebte, dem Filmjahrbuch 81/82 entnommen.